Trofeo Princesa SofíaGold und Silber für die Nationalsegler

Tatjana Pokorny

 · 04.04.2026

Mit Grüßen nach Berlin, Hamburg und Malta: Richard Schultheis und Fabian Rieger haben ihre erste große Regatta zusammen gewonnen.
Foto: Sailing Energy/Trofeo Princesa Sofía
Deutschlands Nationalsegler haben beim Spanien-Klassiker Trofeo Princesa Sofía Mallorca geklotzt und nicht gekleckert. Die Besten haben eine ungewöhnlich schwere Woche leicht aussehen lassen. Einmal Gold, einmal Silber, insgesamt elf Top-Ten-Platzierungen und Platz zwei in der Nationenwertung zeigen, wohin ihre Reise bis LA2028 gehen soll. Für Medaillenglanz sorgten die Skiffsegler.

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​Die deutschen Olympiasegler haben die neue Saison vor Mallorca mitreißend eingeläutet. In der Bucht von Palma erkämpfte die Nationalmannschaft beim Spanien-Klassiker Trofeo Princesa Sofía hinter Frankreich und vor Spanien Platz zwei in der Nationenwertung mit 62 Ländern. Dazu haben vor allem die erfolgreichen Skiffsegler beigetragen: Im 49er siegten Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee). Im Frauen-Pendant 49erFX segelten Sophie Steinlein/Catherine Bartelheimer (NRV/Segelclub Inning am Ammersee) auf Platz zwei.

Deutsche Skiffsegler glänzen in der Bucht von Palma

“Wir sind über die ganze Serie die Leiter raufgeklettert. Im Finale fehlte dann noch eine Stufe. Die haben wir auch genommen”, fasste Fabian Rieger die spanische Woche zur Saisoneröffnung zusammen. Das Duo Schultheis/Rieger gilt als größter Skiff-Hoffnungsträger auf Kurs Olympia 2028. Richard Schultheis wurde in Berlin geboren, wuchs aber auf Malta auf. Seit 2025 startet der zweimalige Motten-WM-Fünfte für den Deutschen Segler-Verband. “Wir ergänzen uns als Team sehr gut”, sagte Ausnahmetalent Schultheis, dessen Vorschoter zehn Jahre älter und als WM-Dritter von 2018 schon sehr erfahren ist.

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Neben den Silberseglerinnen Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer machten die Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) und die Kielerinnen Maru Scheel/Freya Feilcke auf den Plätzen fünf und acht das starke Gesamtergebnis der deutschen Skiffseglerinnen perfekt. Nach Platz fünf bei der WM im vergangenen Jahr hatten aber im Endspurt einmal mehr die Olympiakaderseglerinnen Steinlein und Bartelheimer die Bugspitze vorn.

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Sophie Steinlein verweist mit Blick auf den erneuten Erfolg auf ihre gewachsene Erfahrung als Team und auch das in Kindheit und Jugend erlernte Segeln in komplizierten Binnenseebedingungen. Sie sagt: “Ich mag tricky und ablandige Bedingungen. Ich bin in Bayern auf einem See mit solchen Bedingungen großgeworden.“ Ihre Worte klingen denen ähnlich, die der zweimalige 49er-Bronzemedaillengewinner Erik Heil oft wählte, wenn es um die von ihm bevorzugten “tricky Bedingungen” ging. Auch er war in Berlin als Binnenseesegler großgeworden.

Buhl wieder auf Augenhöhe mit den Besten

Wie ihre Zwillingsschwester, die Windsurf-Olympia-Sechste Theresa Steinlein, ist auch Sophie Steinlein Mitglied im Olympiakader. Mit Catherine Bartelheimer, die sich erkrankt durch die Trofeo Princesa Sofía Mallorca kämpfte, will Sophie Steinlein am liebsten gemeinsam mit Schwester “Resi” bei den nächsten Olympischen Spielen in LA28 starten. Doch auch die nationale Konkurrenz ist wach und ehrgeizig, wie jetzt im Balearen-Revier zu erleben war.

Nur knapp am Podium vorbei segelte bei der Trofeo Prinecsa Sofía Mallorca der Allgäuer Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl als Vierter. Im mit 199 Startern größten Trofeo-Feld war er auch bei der ersten Sailing-Grand-Slam-Regatta des Jahres wieder bester deutscher Ilca-7-Akteur. Die Leistung ist hoch zu bewerten, denn Buhl hatte mit schwerer Erkältung sogar einen bei ihm seltenen Ausfalltag wegzustecken. Dem hohen Streichergebnis setzte er jedoch ein gelungenes Comeback entgegen, beendete die Hauptrunde mit einem Rennsieg. Im doppelten Medaillenfinale reichte es dann nicht mehr ganz zum Sprung aufs Podium, das Doppel-Olympiasieger Matt Wearn und die Briten Elliot Hanson und Michael Beckett besetzten.

Ich bin wieder auf einem Level, auf dem mich Wearn und die Briten sehr ernst nehmen. Das ist gut so.” Philipp Buhl

Stark aufgefallen ist in der Bucht von Palma auch der Kieler U21-Weltmeister Ole Schweckendiek. Zehn und mehr Jahre jünger als die prominente Ilca-7-Konkurrenz, führte der KYC-Steuermann das riesige Feld kurzzeitig sogar an, konnte Top-Leute wie Matt Wearn in einzelnen Rennen schlagen. “Wenn mir vor der Regatta jemand einen Platz im Finale engaboten hätte, hätte ich den sofort genommen”, sagte der junge Schleswig-Holsteiner.

Schweckendiek steigt auf, Willim stark beim Comeback

Nach herausragender Qualifikation hatte Ole Schweckendiek in der Hauptrunde weiter auf hohem Niveau agiert, aber auch Dämpfer einstecken müssen. Darüber scherzte er schon wie ein Großer: “So einen Streicher muss man auch mal aussitzen können.” In Palma übten sich derweil die Konkurrenten und Berichterstatter beim Aussprechen des Namens Schweckendiek. Den Aufsteiger aus Deutschland kennen sie jetzt. Stark hat sich auch Nik Aaron Willim nach zweijähriger Studienpause zurückgemeldet. Ebenfalls fürs Medaillenfinale qualifiziert, beendete Willim sein Comeback mit Platz neun weit über dem Soll.

Als weiterer junger Aufsteiger präsentierte sich in Palma Formula-Kiter Jan Vöster vom Württembergischen Yacht-Club. Auch erst 22 Jahre alt, ist ihm im vergangenen Jahr der Durchbruch in die Weltspitze gelungen, den er jetzt weiter zementiert. Innerhalb seiner starken und stählenden Trainingsgruppe mit dem Olympia-Fünften Jannis Maus, der den Einzug in die Finalrunden bei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca als Elfter ganz knapp verpasste, konnte sich Vöster durchsetzen. Es folgten ein Höhenflug und ein kleiner Tiefschlag, insgesamt aber ein erneut stärkendes Ergebnis.

Vöster berichtete nach dem Ausscheiden im Halbfinale: „Das Viertelfinale war der Hammer. Es lief perfekt. Im Halbfinale bin ich dann ähnlich gefahren, war auf dem besten Wege, noch eine Runde weiterzukommen. Dann wurde ich so gut wie abgeräumt. Die Jury-Entscheidung dazu lief leider nicht zu meinen Gunsten. Ich bin trotzdem mega happy mit meinem Ergebnis hier. Mir sicherer zu werden, dass ich da hingehöre, hilft mir sehr. Jedes gute Ergebnis gibt mehr Selbstvertrauen.”

Ich bin heiß darauf, es an die Spitze zu schaffen.“ Jan Vöster

Verlass war wie stets auf die deutschen 470er-Duos. Zwar reichte es beim Saisonauftakt noch nicht ganz für die Podiumsplätze, doch das hatte gute Gründe. Die amtierenden Vize-Weltmeister Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/VSaW/Jorsfelder Segel-Club) waren gerade erst von einer studienbedingten viermonatigen Pause in den olympischen Circuit zurückgekehrt. Anna Markfort bewertete das Ergebnis ihres Teams als “solide”.

Harsche Bedingungen, elf GER-Teams in den Top Ten

Die Vorschoterin sagte: “Einen Podiumsplatz anzustreben, wäre schon sehr hochgeschossen und fast ein bisschen arrogant gewesen. Natürlich sind wir ehrgeizig und wissen, wo wir hinwollen. Aber der sechste Platz hier ist zu diesem Zeitpunkt erst einmal ein Ergebnis, das wir gerne mitnehmen.“ Die Teamkameraden Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) wurden Siebte. Es siegten die amtierenden spanischen Weltmeister Jordi Xammar und Marta Cardona.

Im Ilca 6 konnte sich Olympiateilnehmerin Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee) mit zwei zweiten Rängen in den Medaillenrennen noch auf Platz sechs vorarbeiten. Die gute Leistung gelang der Berlinerin im zweitgrößten Trofeo-Feld von 143 Jollenseglerinnen. Ihr Blick aufs Finale: „Im ersten Rennen hatte ich ein bisschen Glück, war aber auch sehr schnell. Im zweiten Rennen bin ich gut gestartet und habe das ins Ziel gebracht.“

Cheftrainer Dom Tidey, der das Team in Palma an der Seite von DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner betreute, wies in seiner Bilanz vor allem auf die “harten Bedingungen” bei der 55. Trofeo Princesa Sofia Mallorca hin. “Ich kann mich kaum erinnern, dass es hier einmal so fordernd zugegangen ist und die Tage auf dem Wasser so lang waren”, sagte der erfahrene Brite. Unüberhörbar war er deshalb besonders stolz auf die Leistungen seiner Schützlinge, sagte: “Wir hatten elf Teams in den Medaillenfinals. Das spricht für sich und gibt uns einen guten Eindruck davon, wo wir mit unseren Programmen stehen.”

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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