MeinungKlar zum Generationswechsel

YACHT

 · 07.02.2026

Meinung: Klar zum Generationswechsel
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-fabian_053bf672cb600e4d33159b4528c1f02c

Liebe Leserinnen und Leser,

​Die Welt des Segelns ist ein Dorf, könnte man meinen. Eine Insel der Glückseligkeit? Nicht ganz. Russische Kriegsschiffe im Heimatrevier, steigender Meeresspiegel, explodierende Kosten – auch die schönste Nebensache der Welt bleibt von den Krisen unserer Zeit nicht verschont.

Und so überrascht die nächste Herausforderung kaum, die sich bereits am Horizont abzeichnet: der demografische Wandel. Ein Thema, das mich als Reporter in den kommenden Jahren sicherlich noch öfter beschäftigen wird. Denn ja, man mag es kaum wahrhaben – auch Segler werden älter. Und irgendwann zu alt zum Segeln.

Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Verbands Maritime Wirtschaft Deutschland, servierte mir kürzlich ein paar Zahlen, die aufhorchen lassen. Der durchschnittliche Segler ist 62 Jahre alt, zwei Jahre älter als 2015. Mit 75 Jahren steigt er aus.

Ein Problem ist das vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Weniger Segler bedeuten weniger Nachfrage. Während sich der eine vielleicht über mehr Platz in den Häfen oder günstigere Gebrauchtboote freut, bedeutet das für die Branche handfeste Probleme.

Damit die Segelwelt nicht schrumpft, braucht es Ersatz – einen Neueinsteiger für jeden Aussteiger. Ein Blick auf die Geburtenraten der letzten Jahrzehnte zeigt jedoch, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Bleibt die Einstiegsrate gleich, zeigt die Kurve steil nach unten.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Immerhin: Mit seinen Nachwuchssorgen steht der Segelsport nicht allein da. Politische Parteien, Ausbildungsbetriebe, Kulturstätten, Medienunternehmen – überall dasselbe Bild. Eine ganze Gesellschaft zerbricht sich den Kopf, bislang vergeblich.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Was also tun? Keep it simple, lautet eine mögliche Antwort. Menschen aufs Wasser bringen. Die Faszination kommt dann von selbst. Nur: Ganz so leicht ist es nicht. Beim Segeln sind die Einstiegshürden hoch. Wer familiär oder im Bekanntenkreis keinen Zugang hat, für den wird es zusätzlich schwer.

Ein eigenes Boot? Sprengt schnell den finanziellen Rahmen. Welcher Schein ist der richtige? Vielen schwirrt bei diesen Gedanken der Kopf, bevor sie überhaupt einen Fuß an Bord gesetzt haben.

Zudem hat sich das Konsumverhalten verändert. Früher drehte sich die freie Zeit ums Boot – um dessen Instandhaltung und den Törn in die dänische Südsee. Heute wollen die Menschen flexibel sein: Im Winter nach Mallorca, im Frühjahr wandern in Italien, im Sommer mit dem Camper nach Norwegen. Das Boot? Passt nicht mehr ins Programm. Zu viel Aufwand, zu wenig Zeit, zu teuer sowieso.

Doch auch darauf gibt es Antworten. Stichwort: Sharing-Modelle. Und damit meine ich nicht nur Charterfirmen. Die klassischen Segelvereine machen seit Jahrzehnten nichts anderes.

Vom Schulkind bis zum Rentner bringen sie alle aufs Wasser, ohne dass jemand ein eigenes Boot braucht. Die Winterarbeiten? Verteilen sich auf viele Hände. Und ganz nebenbei entsteht dabei Gemeinschaft. Das Wir-Gefühl sozusagen als Bonus. Gemeinsam ist das Segeln ohnehin schöner.

Das Vorurteil, Segelvereine seien nur was für elitäre Kreise, ist längst passé. Klar, es gibt sie noch, die exklusiven Clubs. Aber daneben existiert eine bunte Vereinslandschaft: Jugendvereine, akademische Vereine, Seniorenvereine. Eissegler, Fahrtensegler, Traditionsschifffahrt. Für jede Vorliebe und jeden Geldbeutel ist etwas dabei – man muss den passenden nur finden.

Und für jene, die mit sozialen oder körperlichen Hürden kämpfen, wächst das Angebot stetig. Die Turning Point Stiftung etwa fördert Inklusion durch Segelsport. Sie bringt Menschen mit und ohne Einschränkungen zusammen und hilft Vereinen, entsprechende Angebote zu entwickeln. Es ist ein Beispiel von vielen.

Wer Mitgliedsbeiträge oder Vereinsbindung scheut, findet bei den unzähligen Segelschulen im Land Alternativen. Eine Woche Schnuppersegeln, Skipper-Training, Ausbildungstörn – der Tisch ist üppig gedeckt. Sowohl buten als auch binnen: Wo es Wasser gibt, gibt es auch eine Segelschule oder einen Verein.

Ich denke, wenn wir über den demografischen Wandel reden, müssen genau diese Akteure mit an den Tisch. Das Angebot ist da. Man muss es nur zeigen. Interessierte aufmerksam machen auf die vielen Wege, die heute schon in die Welt des Segelns führen.

Erfreulich ist, dass das bereits passiert. Bei der boot Düsseldorf kamen Branchenvertreter zusammen, um das Thema auf die Agenda zu setzen. Ein guter Schritt. Davon braucht es mehr. Nicht erst in zehn Jahren, wenn die jetzige Generation ausgestiegen ist, sondern jetzt.

In Zeiten erdrückender Krisen habe ich, was die Welt des Segelns angeht, Hoffnung. Die Lösungen liegen bereit, wir müssen sie nur nutzen und ausbauen.

Fabian Boerger

YACHT-Redakteur

​P.S.: Abschließend möchte ich noch erfahren, wie Sie zum Segeln gefunden haben. (Bitte wählen Sie jeweils die zutreffendste Antwort)

Wie haben Sie das Segeln gelernt?
Im Segelverein
In einer Segelschule
Von Freunden oder Bekannten
Von Familienmitgliedern
In der Schule/Uni/im Arbeitssport
Learning by Doing
Autodidaktisch

Umfrage beendet

*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***

In welchem Alter haben Sie mit dem Segeln begonnen?
Als Kind (unter 10 Jahre)
Als Jugendliche/r (10–17 Jahre)
Als junge/r Erwachsene/r (18–35 Jahre)
Als Erwachsene/r (36–59 Jahre)
Als Senior/in (60+ Jahre)

Umfrage beendet

​​​*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***

Wie segeln Sie heute?
Aktiv im Segelverein
Mit eigenem Boot
In privater Segelgruppe/Segelgemeinschaft
Regelmäßig per Charter
Auf dem Boot von Freunden
Gelegentliche Mitsegelgelegenheiten
Aktuell gar nicht

Umfrage beendet

​​​*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***

Was war beim Einstieg Ihre größte Herausforderung?
Theorie und Nautik verstehen
Manöver praktisch umsetzen
Angst oder Respekt vor dem Wasser
Passenden Verein oder Mitsegler finden
Zeitliche Organisation
Finanzielle Aspekte
Eigene Erwartungen überwinden
Keine besonderen Herausforderungen
Andere

Umfrage beendet

​​​​*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***

Welcher Aspekt am Segeln begeistert Sie am meisten?
Freiheit und Unabhängigkeit
Naturerlebnis
Sportliche Herausforderung
Gemeinschaft und soziales Miteinander
Technische Faszination
Entschleunigung und Entspannung
Abenteuer und neue Orte entdecken
Wettkampf und Regatta
Die Gesamtheit aller Aspekte
Andere

Umfrage beendet

​​​​​*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich sicher fühlten?
Sofort bzw. sehr schnell
Nach wenigen Wochen
Nach einer Segelsaison
Nach 1–2 Jahren
Nach mehreren Jahren
Fühle mich noch nicht völlig sicher
Kann ich nicht genau sagen

Umfrage beendet

*** Abstimmen/Klicken, um das Ergebnis zu sehen! ***


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Ostsee-Häfen 2026

Hier finden Segler jetzt noch freie Liegeplätze

yacht/100193085-1_b6e254f53fcbef4ee0026229c38a984a

Liegeplatzreport 2026: An der Ostsee bleibt es eng. Unser Daten-Check zeigt die Realität bei Preisen und freien Boxen zwischen Flensburg und Usedom.


Oceantec 43

Dehler-Designer bringen neuen Performance-Cruiser mit Schwenkkiel

yacht/dsc-4543_2d4291e75a7aab968fc1beca8b54aff8

Bei Oceantec entsteht ein leistungsfähiges Fahrtenboot mit Schwenkkiel in kleiner Serie nach einem Entwurf der Dehler-Konstrukteure Judel/Vrolijk & Co.


Jan Brügge Bootsbau

Woy 28 - Kompakter Cruiser aus Holz im Bau

yacht/260330-woy28-p2-2_a0a98c555d03aa0762a139b22e099084

Jan Brügge Bootsbau bringt mit der Woy 28 eine bewohnbare Variante der erfolgreichen Woy 26, bleibt aber sportlich und extravagant.


Hanseyachts

Führungswechsel beim umsatzstärksten Händler

yacht/1600-showroom-hanseyachts-ag_aafa4788b11b238416ee5d253a6e4da1

Die werfteigene Hanse Vertriebs GmbH in Greifswald verabschiedet den langjährigen Geschäftsführer Karsten Baas in den Ruhestand.


Projekt 412

Royal Huisman dreht Rumpf des 81-Meter-Schoners

yacht/royal-huisman-trident-project-412-dji-20260319115941-0062-d_f5204e9b848fca2305bf3b3219600945

Die niederländische Werft Royal Huisman hat einen wichtigen Meilenstein beim Bau des 81 Meter langen Schoner mit der Projektnummer 412 erreicht. Der Alu-Rumpf wurde auf der Werft in Vollenhove gedreht. Der Flybridge-Dreimaster aus der Trident-810-Serie wird 2028 ausgeliefert.


Griechenland

Wenn Sturm die Charter verhagelt - Hauptsache, ruhig bleiben

yacht/screenshot-2026-03-29-163358_bb996a425366eb552dd2269bb1f9a208

Was wird aus dem Chartertörn, wenn es die ganze Woche stürmt? Man versucht, das Beste draus zu machen. Wie auf dieser Kykladen-Reise in der griechischen Ägäis, währt.


10 Jahre Malizia

Der Imoca-Aufbruch und die ersten Förderer – Teil 2

yacht/4_f43d5a5cb20b359cc1738148d2a122e5

In der Serie "10 Jahre Malizia" geht es in Folge 2 um die Förderer der Aufbruchszeit. Und wie Boris Herrmann mit der ersten Imoca vom Gitana-Team loslegte.


“Keena”

Die unverzagte Schwester der Dehler 30od

yacht/yacht-20250102-202502-new-img-105-2_4ce95fd843778340a573961e1f8e0fef

Wie ein moderner Einzelbau für die kleine Crew aussieht, den der Konstrukteur der Dehler 30od für sich selbst entwirft. Unterwegs mit einem konsequenten Derivat.


Neue Pläne

Sven Yrvind will mit 87 nochmal über den Atlantik

yacht/url-image_fc0a07886ab161d3accf384a725b5a4e

Mit 86 Jahren baut Sven Yrvind einen neuen Mikrokreuzer: 5,2 Meter lang, drei Masten. Nun steht auch sein nächstes Ziel fest: Beaufort in den USA.


Neue Podcast-Folge

So fördert das Internat Louisenlund junge Segler

yacht/00-vorlage-podcast-artikel-teaserbild-01_4bfa4cab645a5303da19e94b34004753

Unterricht, Internat und segeln: in Louisenlund finden diese Komponenten zusammen. Im YACHT-Podcast sprechen Stiftungsleiter Dr. Peter Rösner und Trainerin Anna Schweizer über das Schulkonzept.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service